Donnerstag, November 19, 2009

Fremdschämen

Ich hoffe, hier wird reagiert und das Tor im nachhinein aberkannt. Wobei: Ich glaube bisweilen nicht mehr an Gerechtigkeit im Fußball. Ich hoffe, Sie konnten gut schlafen, Thierry Henry….

Mittwoch, November 18, 2009

Kugeln von hinten

So betitelte Otto Sand bereits 2003 in der Juni Ausgabe der 11 Freunde seinen Bericht über den Mythos der Waldhof Buben und dessen Hang zur vereinsinternen Selbstzerstörung. Wohlgemerkt vor 6 Jahren. Seitdem hat sich für den Waldhof nicht wirklich viel geändert.Durch den Lizenzentzug ging es für den Verein vom Alsenweg direkt von Liga 2 in die Viertklassigkeit. Der Umweg des doppelten sportlichen Abstiegs wurde den Fans somit “erspart”, es wurden direkt provinzielle Fakten geschaffen. Und seit dieser Zeit kommt der Waldhof einfach nicht zur Ruhe. Fusionsgedanken, Mannheim als Standort erster Bundesligaambitionen aus Hoffenheim, interne Schlammschlachten und so weiter. Und, wie das dann so ist mit den Traditionsvereinen, die einen sportlichen und wirtschaftlichen Absturz nicht verhindern konnten: Geblieben, und manchmal die einzige Basis und Hoffnung eines Vereines, sind die Fans. Erstaunliche Parallelen zeigen sich hier auf, betrachtet man die Geschehnisse rund um den Waldhof und den RWE. So können beide Fanszenen ihren natürlichen “Erzrivalen” nur in Form der Nachwuchsmannschaften treffen und leben diese Begegnungen doch in einer Intensität aus, die den neutralen Beobachter schaudern lassen würde. Wen wundert es da also, dass das Auswärtsspiel am kommenden Freitag für den RWE beim SV Waldhof das Auswärtsevent der Saison darstellt. Mithalten können da noch die Spiele in Münster oder dem Ludwigspark zu Saarbrücken. Der Rest ist immer noch gefühlte Scham. Und dann reden wir hier nicht einmal von einem Spitzenspiel der Liga, sondern von einem Treffen, wo es ausschließlich gegen den Abstieg gehen wird. Auch für die Waldhofer Fanszene stellt das Spiel gegen den RWE etwas besonderes und eine Remineszens an vergangene Zweitligazeiten dar. Wie auch der Flyer auf der Homepage der rührigen Ultras Mannheim belegt, für dessen Veröffentlichung ich mich herzlich bedanke. Auch das Klientel der Ränge birgt Gemeinsamkeiten: Hauptsächlich aus der der Arbeiterschicht stammende Fanbasis, eine Ultraszene, die den Verein bisweilen am Leben erhält, manchmal aber auch vor Probleme stellt und für erstaunliche Choreografien sorgt, und eine große Anzahl an sogenannten “Problemfans”. Allen gemein aber die Tatsache, dass der Verein über allem steht. Über allem sollten für den RWE am Freitag zunächst 3 überaus wichtige Punkte stehen. Vielleicht hilft ja das Fluidum eines Bundesligatauglichen Stadions, eventuell sogar recht gut gefüllt, um die Spieler zu Höchstleistungen anzuspornen.

Dienstag, November 17, 2009

Kleinanzeige

Viel zu selten konnte ich mich in diesem Jahr um die Belange der besten Mannschaft der Welt, dem Wittekindshofer FC, kümmern.Das Gute daran: Es war auch gar nicht mehr von Nöten, hat sich unsere Mannschaft doch gut im DJK Arminia integriert und nun auch das Recht eines regelmäßigen Trainingsbetriebes. In der kommenden Woche beginnt das Training in der Halle und im darauffolgenden Frühjahr werden wir hoffentlich wieder am Turnier der Lebenshilfe Nordhorn teilnehmen dürfen. Bis dahin vergeht aber noch viel Zeit und so stellt sich die Frage, ob es nicht irgendwo eine weitere integrative Fußballtruppe gibt, die an einem Freundschaftsspiel interessiert ist. Oder gar ein Fußballturnier für Mannschaften, bestehend aus geistig behinderten Fußballern/innen ausrichtet. Gerne würden wir unseren sportlichen Horizont erweitern und auf neue Mannschaften treffen. Wie immer gilt: Das sportliche Niveau ist ganz unten, aber die Lust am Fußball ganz oben anzusiedeln.Ich denke, einen Umkreis von bis zu 150 Kilometern sollten wir logistisch betrachtet, bewältigen können, eine entsprechende Planungsphase mit einkalkuliert. Wenn also jemand jemanden kennt, der seinerseits wieder jemanden kennt….einfach über das Vereinsheim Kontakt aufnehmen. Unsere WFCG`ler würden sich freuen.

Dienstag, November 10, 2009

Fassungslosigkeit

Ohne Moos nix loos

Fußball wird mit den Beinen gespielt und mit dem Kopf gewonnen. Diese einleuchtende These könnte für die erneute Heimniederlage des RWE gegen die Zweitvertretung aus Mönchengladbach herangezogen werden. Der Kopf hat nämlich keinen Gehaltseingang zu verzeichnen gehabt, wie soll er da seinen Beinen einen guten Lauf empfehlen? Das Ende vom Lied: Eine weitere Hiobsbotschaft für den RWE und seine Fans. Und besonders bitter auch für die Angestellten des Vereines, die sicherlich momentan einen besseren Job verrichten als die Wanderarbeiter auf dem grünen Rasen: Auch sie warten noch auf ihr Gehalt. Welch Ansammlung der schlechten Nachrichten in dieser Woche. Quo Vadis, RWE? Ja und dann gab es noch den 2:1 Erfolg der heimischen Eintracht über die Kickers aus Emden. Und ja, ich würde auch gerne wieder etwas mehr über den Verein vom Heideweg schreiben, nur gibt es doch nicht viel neues, und wenn dann auch nur finanzielle Horrorszenarien. Und Informationen unter dem Mantel der Verschwiegenheit werde ich hier natürlich nicht veröffentlichen. Ein Spiegelbild der höherklassigen Amateurligen als Folge des DFB Gebaren hier auch in Nordhorn: Keine Trikotsponsoren, wilde Sau spielende Gästefans (bzw. Subunternehmer in Sachen Randale aus dem Emsland) und grundsätzlich zu wenig Zuschauer, um auf Dauer höherklassigen Amateurfußball anzubieten. Wahrscheinlich waren die Stromkosten höher als die Einnahmen. Und zu guter Letzt: Bevor sich der alte Vorstand nicht öffentlich erklärt und in einer Mitgliederversammlung entlastet wird, ist es sehr schwer, dem Verein noch kreativ gegenüberzustehen. Dabei bleibe ich.


Montag, November 09, 2009

Partisanen

Der Fall der Mauer ist in diesen Tagen in aller Munde. Aus heutiger Sicht kaum mehr vorstellbar, dass ein solch historisches Ereignis ohne Privatfernsehen, Internet, Handys oder gar Twitter passieren konnte. Und doch, es war so und so wie es war, war es auch gut. Die Historie dieser Tage kennt jeder, aber können wir, die wir nicht in der ehemaligen DDR gelebt haben, uns wirklich ein Bild davon machen, was es bedeutet hat, in diesem Staate zu Leben, wenn man nicht Teil des Systems war? Nach zwanzig Jahren gestehe ich mir ein, dass die DDR damals sehr weit weg war, und eine Vereinigung auch noch nicht in meinem realen Leben stattgefunden hat. Dieses ist vielleicht wirklich auch geographischen Gesichtspunkten geschuldet, denn hier in Nordhorn sind wir sowas von “Wessis”, dass wir fast schon eher “Ostholländer” denn Sachsen sind. “Unsere” Grenze war die in Richtung Niederlande, zwei Kilometer entfernt und ein kleiner Junge hat es damals als sehr spannend empfunden, kontrolliert zu werden. Natürlich haben wir nie mehr als die erlaubten Mengen an Kaffee und Tabak in die BRD eingeführt, davon gehe ich nun mal aus. Aber eine Grenze in einer solch Dimension wie die Zonengrenze, das konnte man sich hier nicht vorstellen. Die Bundesjugendspiele 1986 haben uns dann nach Berlin geführt und auch durch die “Zone”. Aber auch hier die Frage: Was haben wir denn von der DDR seiner Tage mitbekommen? Schon spannend, wie die Grenzer den Bus des Turnverein Nordhorn unter die Lupe genommen haben. Viel wichtiger aber doch der Intershop. Noch spannender der Grenzübergang in Berlin selber: Eine Straße, und doch zwei Welten, zwei Länder gar und unterschiedliche Systeme. Und auch hier unserer Eindruck: Berliner Weisse mit Schuß im Palast der Republik. Ergo: Dieses Land war uns sehr fremd und nun trat unsere Psychologiedozentin am Morgen des 10. November 1989 vor uns und berichtete all denen, die es noch überhaupt nicht mitbekommen hatten, von den Ereignissen der damaligen Nacht. Das alles ist nun zwanzig Jahre her und erst jetzt bekomme ich langsam, aber sicher einen Eindruck, welch perfidem System die Menschen in der ehemaligen DDR unterworfen waren. “Schuld” daran unter anderem die Stasi Akte andoras und sein nicht endendes Engagement, darauf hinzuweisen, dass letztendlich nicht wirklich eine Revolution stattgefunden hat, in der man seine Peiniger aus dem Land jagt. Trotzdem ist es immer ein Grund zu feiern, wenn ein Land seiner Fesseln beraubt wird. Nur, wo sind denn all die Schergen geblieben, die dem System zu seiner Existenz verholfen haben und was ist in den vergangenen zwanzig Jahren im Osten unserer Republik nun letztendlich passiert? Ich denke, dass es noch ein langer Weg sein wird, bis sich Ost und West wirklich angeglichen haben und vorurteilsfrei miteinander umgehen können. Und es ist nicht böse gemeint, wenn mir Denekamp näher als Dresden ist.

Sonntag, November 08, 2009

Zelluloid

Der November bringt nicht nur neue Folgen über das Wirken des Egomanen Pastewka oder des notorischen Widerlings Stromberg mit sich, sondern auch Filme mit Bezug zum runden Leder auf die Leinwand:

Mittwoch, November 04, 2009

Achterbahn der Gefühle

Für sein Sprachförderprojekt ist Rot-Weiss Essen als "Ausgewählter Ort im Land der Ideen" ausgezeichnet worden. Fast zeitgleich tobt hinter den rot-weissen Kulissen eine handfeste Schlammschlacht. Und auf dem Feld wurde bei den Sportfreunden Lotte mit 0:3 verloren. Dabei fing eigentlich alles so gut an: Von den knapp 3000 Zuschauer in der zarten Arena fieberten fast zwei Drittel unverwüstliche mit dem RWE und nun greift wieder der zum Running Gag werdende Konjunktiv: Wenn Sascha Mölders in der dritten Minute den Ball anstatt an die Latte in das Tor gedonnert hätte….leider lohnt es sich nicht, weiter darüber nachzudenken. Und während ich hier schreibe, kommt gerade via Twitter eine Meldung herein, dass die Spieler noch auf ihre Oktober Gehälter warten. Zwar scheint das Geld schon angewiesen zu sein, aber ein unbehagliches Gefühl bleibt allemal. Was ist da momentan los in Essen, rund um den RWE? Angeblich droht keine Insolvenz, aber statt der erhofften sieben Punkte konnte die Mannschaft nur zwei aus den letzten drei Spielen ergattern, Aufstiegshoffnungen ade, und wir begrüßen einen alten Bekannten, das Abstiegsgespenst. Ach, das Spiel in Lotte: Ich bin 20 Minuten vor Schluß gefahren, die Erfahrung lässt ein Ergebnis erahnen. Der RWE hat gar nicht mal so schlecht gespielt, nur die Sportfreunde standen halt wesentlich kompakter, hatten das nötige Selbstbewusstsein und drei ehemalige rot weisse in ihren Reihen, die nicht nur besonders motiviert, sondern auch in Gemeinschaftsproduktion am ersten Tor beteiligt waren. Und wenn schon Frust, dann auch richtig: Selbst das Stadion der Sportfreunde wirkte nicht mehr nur heimelig, sondern vor lauter Product Placement muss der Ball erst einmal gefunden werden. Wirrer Bericht meinerseits, aber kann das alles rund um diesen Verein in einem lässigen Bericht untergebracht werden? Ich bin sehr geschockt. Der RWE darf nicht untergehen…….

Freitag, Oktober 30, 2009

Arbeiter, kleine Angestellte und Arbeitslose

Der Report aus Mainz hat es endlich an den Tag gebracht: Kaufleute, Unternehmer und Rechtsanwälte golfen auf Mallorca. Die in diesem Bericht klassifizierte Mittelschicht geht zur Spielwarenmesse. Und wir, die wir RWE Fans und somit der Unterschicht zugehörig sind, pilgern nach Essen Bergeborbeck an die dortige Hafenstrasse zum RWE. Recht gelassen geht man im RWE Forum mit diesem Bericht um. Tenor: Stimmt, wir sind Arbeiter und stolz darauf. Von daher vergesse ich meinen gehegten Groll über dieses Schubladendenken und bekenne mich zu meinem Dasein als kleiner Angestellter. Ohne die Basis kann nun mal nichts nach oben wachsen. Leider wird das allzu oft in luftiger Höhe vergessen. Morgen aber ist Spieltag, und da werden sie sich wieder in großer Zahl auf den Weg machen. Vorzugsweise natürlich die Arbeitslosen, denn die haben ja Zeit. Der kleine Angestellte wird sich direkt nach dem Frühdienst auf den Weg Richtung Lotter Kreuz machen. Alle Gesellschaftsschichten werden sich dann hinter dem Stadion wiedertreffen: Geparkt wird, wie im letzten Jahr, auf dem Stoppelfeld von Bauer Hindersmann, mittels rot weißem Flatterband als Parkplatz erkenntlich gemacht. Die wunderbaren Sportfreunde aus Lotte bitten zum Heimspiel gegen den RWE: Das auch noch als ungeschlagener Spitzenreiter. Im letzten Jahr hatte sich das “Low Budget” Team nach verpatztem Saisonstart noch bis in das vordere Tabellendrittel hochgekämpft. Vor dieser Saison punktuell mit Spielern unter anderem des RWE und der Nordhorner Eintracht verstärkt, führte der Weg in der zweiten Regionalliga Saison bis dato an die Spitze der Liga. Sieben Siege, fünf Unentschieden: Macht summa summarum 26 Punkte und derer zehn mehr als der morgige Gegner auf seinem traditionsbehafteten und gramgebeugten Buckel vorzuweisen hat. Und doch hat sich der RWE in den letzten Wochen unter den Arbeitern Aussem und Erkenbrecher enorm stabilisiert, ohne jedoch das Stigma der Nachspielzeit ablegen zu können. Somit hätten es vier Punkte mehr auf der Habenseite sein müssen. Hätte, wenn und aber…..hier greift wieder der Konjunktiv. Vielleicht hilft Morgen die Außenseiterrolle, um in Lotte einen Überraschungserfolg zu landen. Etwas anderes als ein Sieg hilft sportlich auch überhaupt nicht weiter und könnte der rot weissen Unterschicht zu etwas mehr Selbstvertrauen im Alltag verhelfen.

Mittwoch, Oktober 28, 2009

Neue Denkweise!

Kurzfristigkeit ade`. Im RWE Blog der RevierSport ein Bericht zur Situation an der Hafenstrasse:

Der Europameister in unseren Diensten ist Vergangenheit, die Tabelle zeigt nur Mittelmaß und das Stadion besitzt jetzt nur noch zweieinhalb Tribünen.

Rot-Weiss Essen versprüht derzeit nicht gerade Glanz. Aber vielleicht ist das im Moment genau das richtige für den Verein. Die Erwartungen, mit denen man auch im Sommer 2009 in die Spielzeit startete, trugen die gleichen Umrisse wie in den Jahren zuvor: Es waren hohe Erwartungen, aufgebaut auf einen großen Etat und untermauert mit der zu selbstbewussten Haltung, dass es für RWE nur einen Weg geben könnte – den nach oben nämlich, den zurück in die guten alten Zeiten. Doch Tradition schießt keine Tore, Meistertitel aus einem vergangenen Jahrtausend bringen keine Extrapunkte. Und schon gar nicht erstarren die Gegner in Ehrfurcht, weil nun das ehemals ruhmreiche Rot-Weiss Essen kommt. Genau das aber ist noch immer das Selbstverständnis von vielen rot-weissen Anhängern. Und da schließe ich mich ganz bewusst mit ein. Es fällt eben schwer, zu erkennen, dass man kein Aufstiegsrecht besitzt, nur weil man sich noch immer als der große Verein sieht, der man mal war. In meinem Fall habe ich dies alles noch gar nicht miterlebt, immerhin Zweitligaspiele mit RWE durfte ich schon schauen. Seit dem dortigen Abstieg versucht man an der Hafenstraße viel, um wieder nach oben zu kommen. Erst war die Rückkehr in Liga zwei das Ziel, dann sollte es während der Saison nur noch die Qualifikation für die neue eingleisige dritte Profiliga sein. Als auch diese misslang, wollte man schnellstmöglich wieder raus aus Liga vier. Doch da steckt man auch heute noch, ob man es in dieser Spielzeit schafft, nach oben zu entkommen, ist mal wieder fraglich – Hoffnungsschimmer und Katastrophenszenarien wechseln sich als Momentaufnahmen ab, teils wöchentlich. Doppelabstieg statt Profifußball-Comeback, das ist die Realität! Und alle Bemühungen waren stets verbunden mit viel Ausgaben, prominenten Gesichtern und der Ansage, dass die aktuelle Situation ja keineswegs der Anspruch von Rot-Weiss Essen sein könnte. Warum eigentlich nicht? Weil man in den 50ern Meister und Pokalsieger war und Helmut „Boss“ Rahn hatte? Weil man in Erstligajahren manch Sensationen schaffte und einfach was Besonderes war? Nein, das zählt auf dem Platz alles nichts. Fakt ist, dass es wohl kaum einen Verein gibt, in dem Erwartungen so konsequent, so kontinuierlich enttäuscht werden. Kaum ein Verein, an dem Anspruch („Eigentlich gehören wir mindestens in die zweite Liga“) und Wirklichkeit (Platz neun in Liga vier) so sehr voneinander entfernt sind. Es fällt ungemein schwer einzusehen und anzuerkennen, dass Rot-Weiss Essen mittlerweile in der Bedeutungslosigkeit angekommen ist, zumindest außerhalb der Stadtgrenzen oder bei den in der Republik verstreuten RWE-Anhängern. „Wie, die gibt´s noch? Welche Liga sind die denn?“, musste ich mir hier in Berlin schon anhören. Aber vielleicht hilft uns ja gerade das Eingeständnis, dass wir nichts automatisch bekommen, nur weil wir Rot-Weiss sind, dass wir wie jeder andere Klub einfach ebenso um Punkte kämpfen müssen. "Wir sind zwar Rot Weiss- Essen, aber etwas Demut stünde uns allen gut zu Gesicht!“ Ein harter Satz. Gesprochen von Heiko Bonan, als er Trainer an der Hafenstraße war. Der Ausspruch hat ihm viel (zusätzliche) Kritik gebracht. Jetzt muss man sagen – er hatte nicht Unrecht! Aktuell sind wir einer von vielen Vereinen in Liga vier. Der Name klingt nach mehr als Lotte, Verl oder Zweitvertretungen, der Zuschauerschnitt ist noch immer beachtlich, aber mehr auch nicht. Früher hat RWE bei seinen Bemühungen eine Menge Geld verprasst, ohne dabei Erfolg zu erzielen. Nun fehlt das Geld, vielleicht klappt es ja so. Auch andere Vereine schaffen es mit niedrigem Etat erfolgreich zu sein, aktuell stehen acht davon über uns in der Tabelle, alle mit weniger Euronen ausgestattet als wir an der Hafenstraße. Vielleicht hilft es, dass Thomas Strunz nun weg ist, der Europameister, der erfolgreiche Ex-Spieler, der deutschlandweit bekannt war. Stattdessen haben wir nun Erkenbrecher und Außem, erfahrene, aber unbekannte Trainer – wie so viele andere Vereine, die mit erfahrenen, aber unbekannten Coaches Erfolg haben und am Ende sogar aufsteigen. Da braucht man keinen großen Namen für, es reicht gute Arbeit. Und bisher sind die beiden ungeschlagen. Auch haben wir, anders als früher, nicht viele bekannte Gesichter in unserem Kader; außer Kurth und vielleicht noch Mölders. Vor drei Jahren wäre Ailton wohl noch ein Kandidat an der Hafenstraße gewesen, so sehr passte er ins damals beliebte Spielerprofil. Gut, dass wir uns da weiterentwickelt haben, jetzt auf Grund der finanziellen Situation auch mussten. Unser Vorsitzender, Stefan Meutsch, sprach von einem Paradigmenwechsel, den RWE benötigt. Und genau dieser wird derzeit vollzogen: wir haben nicht mehr das dicke Konto von früher, wir werden in Zukunft weiter Spieler holen, die man erstmal googeln muss und wir haben erst einmal ein Trainerduo, das so ganz anders ist als es etwa ein Röber wäre (nämlich günstig, unbekannt, aber eben und vor allem: passend). Das alles bringt den Verein ein Stück weit näher in Richtung Normalität. Und ich glaube, das tut uns allen gut. Keine überzogenen Erwartungen, keine bekannten Altstars, kein rausgeworfenes Geld und kein falsches Anspruchsdenken mehr. Stattdessen ehrliche Arbeit und Leidenschaft mit einer Portion Demut – das könnte das neue Rot-Weiss Essen sein. Ein schrittweiser Aufbau mit vielleicht tatsächlich noch ein oder mehr Jahren in der Viertklassigkeit (gerne kürzer als länger) anstatt einer Hauruck-Aktion und eines Kraftakts. Dafür steht auch das neue Stadion, das dem Verein mittel- und langfristig eine tolle Perspektive bieten wird. Die neue Denkweise, Kurzfristigkeit adé! Dass RWE dabei nicht ein ganz stinknormaler Verein wird, dafür werden ohnehin auch in Zukunft die Fans sorgen. Wer weiter mit über 6.500 anderen Zuschauern zu den Heimspielen in Liga vier pilgert, der ist keineswegs normal, der ist positiv verrückt. Wir bleiben ein Traditionsverein, jetzt vielleicht ein bodenständiger.

Hendrik Gerstung

Erst fern von seiner Essener Heimat entdeckt Hendrik Gerstung die Leidenschaft für den Klub aus seiner Geburtsstadt. Denn wer wissen will, was „Fan sein“ wirklich bedeutet, der landet irgendwann an der Hafenstraße: Nirgends sonst erlebt man die Gefühlsverbindung Verehrung und Verzweiflung so intensiv – „Oh RWE“. I m RWE-Fanblog gibt Hendrik den rot-weissen Anhängern nun eine Stimme.