Sonntag, November 08, 2009

Zelluloid

Der November bringt nicht nur neue Folgen über das Wirken des Egomanen Pastewka oder des notorischen Widerlings Stromberg mit sich, sondern auch Filme mit Bezug zum runden Leder auf die Leinwand:

Mittwoch, November 04, 2009

Achterbahn der Gefühle

Für sein Sprachförderprojekt ist Rot-Weiss Essen als "Ausgewählter Ort im Land der Ideen" ausgezeichnet worden. Fast zeitgleich tobt hinter den rot-weissen Kulissen eine handfeste Schlammschlacht. Und auf dem Feld wurde bei den Sportfreunden Lotte mit 0:3 verloren. Dabei fing eigentlich alles so gut an: Von den knapp 3000 Zuschauer in der zarten Arena fieberten fast zwei Drittel unverwüstliche mit dem RWE und nun greift wieder der zum Running Gag werdende Konjunktiv: Wenn Sascha Mölders in der dritten Minute den Ball anstatt an die Latte in das Tor gedonnert hätte….leider lohnt es sich nicht, weiter darüber nachzudenken. Und während ich hier schreibe, kommt gerade via Twitter eine Meldung herein, dass die Spieler noch auf ihre Oktober Gehälter warten. Zwar scheint das Geld schon angewiesen zu sein, aber ein unbehagliches Gefühl bleibt allemal. Was ist da momentan los in Essen, rund um den RWE? Angeblich droht keine Insolvenz, aber statt der erhofften sieben Punkte konnte die Mannschaft nur zwei aus den letzten drei Spielen ergattern, Aufstiegshoffnungen ade, und wir begrüßen einen alten Bekannten, das Abstiegsgespenst. Ach, das Spiel in Lotte: Ich bin 20 Minuten vor Schluß gefahren, die Erfahrung lässt ein Ergebnis erahnen. Der RWE hat gar nicht mal so schlecht gespielt, nur die Sportfreunde standen halt wesentlich kompakter, hatten das nötige Selbstbewusstsein und drei ehemalige rot weisse in ihren Reihen, die nicht nur besonders motiviert, sondern auch in Gemeinschaftsproduktion am ersten Tor beteiligt waren. Und wenn schon Frust, dann auch richtig: Selbst das Stadion der Sportfreunde wirkte nicht mehr nur heimelig, sondern vor lauter Product Placement muss der Ball erst einmal gefunden werden. Wirrer Bericht meinerseits, aber kann das alles rund um diesen Verein in einem lässigen Bericht untergebracht werden? Ich bin sehr geschockt. Der RWE darf nicht untergehen…….

Freitag, Oktober 30, 2009

Arbeiter, kleine Angestellte und Arbeitslose

Der Report aus Mainz hat es endlich an den Tag gebracht: Kaufleute, Unternehmer und Rechtsanwälte golfen auf Mallorca. Die in diesem Bericht klassifizierte Mittelschicht geht zur Spielwarenmesse. Und wir, die wir RWE Fans und somit der Unterschicht zugehörig sind, pilgern nach Essen Bergeborbeck an die dortige Hafenstrasse zum RWE. Recht gelassen geht man im RWE Forum mit diesem Bericht um. Tenor: Stimmt, wir sind Arbeiter und stolz darauf. Von daher vergesse ich meinen gehegten Groll über dieses Schubladendenken und bekenne mich zu meinem Dasein als kleiner Angestellter. Ohne die Basis kann nun mal nichts nach oben wachsen. Leider wird das allzu oft in luftiger Höhe vergessen. Morgen aber ist Spieltag, und da werden sie sich wieder in großer Zahl auf den Weg machen. Vorzugsweise natürlich die Arbeitslosen, denn die haben ja Zeit. Der kleine Angestellte wird sich direkt nach dem Frühdienst auf den Weg Richtung Lotter Kreuz machen. Alle Gesellschaftsschichten werden sich dann hinter dem Stadion wiedertreffen: Geparkt wird, wie im letzten Jahr, auf dem Stoppelfeld von Bauer Hindersmann, mittels rot weißem Flatterband als Parkplatz erkenntlich gemacht. Die wunderbaren Sportfreunde aus Lotte bitten zum Heimspiel gegen den RWE: Das auch noch als ungeschlagener Spitzenreiter. Im letzten Jahr hatte sich das “Low Budget” Team nach verpatztem Saisonstart noch bis in das vordere Tabellendrittel hochgekämpft. Vor dieser Saison punktuell mit Spielern unter anderem des RWE und der Nordhorner Eintracht verstärkt, führte der Weg in der zweiten Regionalliga Saison bis dato an die Spitze der Liga. Sieben Siege, fünf Unentschieden: Macht summa summarum 26 Punkte und derer zehn mehr als der morgige Gegner auf seinem traditionsbehafteten und gramgebeugten Buckel vorzuweisen hat. Und doch hat sich der RWE in den letzten Wochen unter den Arbeitern Aussem und Erkenbrecher enorm stabilisiert, ohne jedoch das Stigma der Nachspielzeit ablegen zu können. Somit hätten es vier Punkte mehr auf der Habenseite sein müssen. Hätte, wenn und aber…..hier greift wieder der Konjunktiv. Vielleicht hilft Morgen die Außenseiterrolle, um in Lotte einen Überraschungserfolg zu landen. Etwas anderes als ein Sieg hilft sportlich auch überhaupt nicht weiter und könnte der rot weissen Unterschicht zu etwas mehr Selbstvertrauen im Alltag verhelfen.

Mittwoch, Oktober 28, 2009

Neue Denkweise!

Kurzfristigkeit ade`. Im RWE Blog der RevierSport ein Bericht zur Situation an der Hafenstrasse:

Der Europameister in unseren Diensten ist Vergangenheit, die Tabelle zeigt nur Mittelmaß und das Stadion besitzt jetzt nur noch zweieinhalb Tribünen.

Rot-Weiss Essen versprüht derzeit nicht gerade Glanz. Aber vielleicht ist das im Moment genau das richtige für den Verein. Die Erwartungen, mit denen man auch im Sommer 2009 in die Spielzeit startete, trugen die gleichen Umrisse wie in den Jahren zuvor: Es waren hohe Erwartungen, aufgebaut auf einen großen Etat und untermauert mit der zu selbstbewussten Haltung, dass es für RWE nur einen Weg geben könnte – den nach oben nämlich, den zurück in die guten alten Zeiten. Doch Tradition schießt keine Tore, Meistertitel aus einem vergangenen Jahrtausend bringen keine Extrapunkte. Und schon gar nicht erstarren die Gegner in Ehrfurcht, weil nun das ehemals ruhmreiche Rot-Weiss Essen kommt. Genau das aber ist noch immer das Selbstverständnis von vielen rot-weissen Anhängern. Und da schließe ich mich ganz bewusst mit ein. Es fällt eben schwer, zu erkennen, dass man kein Aufstiegsrecht besitzt, nur weil man sich noch immer als der große Verein sieht, der man mal war. In meinem Fall habe ich dies alles noch gar nicht miterlebt, immerhin Zweitligaspiele mit RWE durfte ich schon schauen. Seit dem dortigen Abstieg versucht man an der Hafenstraße viel, um wieder nach oben zu kommen. Erst war die Rückkehr in Liga zwei das Ziel, dann sollte es während der Saison nur noch die Qualifikation für die neue eingleisige dritte Profiliga sein. Als auch diese misslang, wollte man schnellstmöglich wieder raus aus Liga vier. Doch da steckt man auch heute noch, ob man es in dieser Spielzeit schafft, nach oben zu entkommen, ist mal wieder fraglich – Hoffnungsschimmer und Katastrophenszenarien wechseln sich als Momentaufnahmen ab, teils wöchentlich. Doppelabstieg statt Profifußball-Comeback, das ist die Realität! Und alle Bemühungen waren stets verbunden mit viel Ausgaben, prominenten Gesichtern und der Ansage, dass die aktuelle Situation ja keineswegs der Anspruch von Rot-Weiss Essen sein könnte. Warum eigentlich nicht? Weil man in den 50ern Meister und Pokalsieger war und Helmut „Boss“ Rahn hatte? Weil man in Erstligajahren manch Sensationen schaffte und einfach was Besonderes war? Nein, das zählt auf dem Platz alles nichts. Fakt ist, dass es wohl kaum einen Verein gibt, in dem Erwartungen so konsequent, so kontinuierlich enttäuscht werden. Kaum ein Verein, an dem Anspruch („Eigentlich gehören wir mindestens in die zweite Liga“) und Wirklichkeit (Platz neun in Liga vier) so sehr voneinander entfernt sind. Es fällt ungemein schwer einzusehen und anzuerkennen, dass Rot-Weiss Essen mittlerweile in der Bedeutungslosigkeit angekommen ist, zumindest außerhalb der Stadtgrenzen oder bei den in der Republik verstreuten RWE-Anhängern. „Wie, die gibt´s noch? Welche Liga sind die denn?“, musste ich mir hier in Berlin schon anhören. Aber vielleicht hilft uns ja gerade das Eingeständnis, dass wir nichts automatisch bekommen, nur weil wir Rot-Weiss sind, dass wir wie jeder andere Klub einfach ebenso um Punkte kämpfen müssen. "Wir sind zwar Rot Weiss- Essen, aber etwas Demut stünde uns allen gut zu Gesicht!“ Ein harter Satz. Gesprochen von Heiko Bonan, als er Trainer an der Hafenstraße war. Der Ausspruch hat ihm viel (zusätzliche) Kritik gebracht. Jetzt muss man sagen – er hatte nicht Unrecht! Aktuell sind wir einer von vielen Vereinen in Liga vier. Der Name klingt nach mehr als Lotte, Verl oder Zweitvertretungen, der Zuschauerschnitt ist noch immer beachtlich, aber mehr auch nicht. Früher hat RWE bei seinen Bemühungen eine Menge Geld verprasst, ohne dabei Erfolg zu erzielen. Nun fehlt das Geld, vielleicht klappt es ja so. Auch andere Vereine schaffen es mit niedrigem Etat erfolgreich zu sein, aktuell stehen acht davon über uns in der Tabelle, alle mit weniger Euronen ausgestattet als wir an der Hafenstraße. Vielleicht hilft es, dass Thomas Strunz nun weg ist, der Europameister, der erfolgreiche Ex-Spieler, der deutschlandweit bekannt war. Stattdessen haben wir nun Erkenbrecher und Außem, erfahrene, aber unbekannte Trainer – wie so viele andere Vereine, die mit erfahrenen, aber unbekannten Coaches Erfolg haben und am Ende sogar aufsteigen. Da braucht man keinen großen Namen für, es reicht gute Arbeit. Und bisher sind die beiden ungeschlagen. Auch haben wir, anders als früher, nicht viele bekannte Gesichter in unserem Kader; außer Kurth und vielleicht noch Mölders. Vor drei Jahren wäre Ailton wohl noch ein Kandidat an der Hafenstraße gewesen, so sehr passte er ins damals beliebte Spielerprofil. Gut, dass wir uns da weiterentwickelt haben, jetzt auf Grund der finanziellen Situation auch mussten. Unser Vorsitzender, Stefan Meutsch, sprach von einem Paradigmenwechsel, den RWE benötigt. Und genau dieser wird derzeit vollzogen: wir haben nicht mehr das dicke Konto von früher, wir werden in Zukunft weiter Spieler holen, die man erstmal googeln muss und wir haben erst einmal ein Trainerduo, das so ganz anders ist als es etwa ein Röber wäre (nämlich günstig, unbekannt, aber eben und vor allem: passend). Das alles bringt den Verein ein Stück weit näher in Richtung Normalität. Und ich glaube, das tut uns allen gut. Keine überzogenen Erwartungen, keine bekannten Altstars, kein rausgeworfenes Geld und kein falsches Anspruchsdenken mehr. Stattdessen ehrliche Arbeit und Leidenschaft mit einer Portion Demut – das könnte das neue Rot-Weiss Essen sein. Ein schrittweiser Aufbau mit vielleicht tatsächlich noch ein oder mehr Jahren in der Viertklassigkeit (gerne kürzer als länger) anstatt einer Hauruck-Aktion und eines Kraftakts. Dafür steht auch das neue Stadion, das dem Verein mittel- und langfristig eine tolle Perspektive bieten wird. Die neue Denkweise, Kurzfristigkeit adé! Dass RWE dabei nicht ein ganz stinknormaler Verein wird, dafür werden ohnehin auch in Zukunft die Fans sorgen. Wer weiter mit über 6.500 anderen Zuschauern zu den Heimspielen in Liga vier pilgert, der ist keineswegs normal, der ist positiv verrückt. Wir bleiben ein Traditionsverein, jetzt vielleicht ein bodenständiger.

Hendrik Gerstung

Erst fern von seiner Essener Heimat entdeckt Hendrik Gerstung die Leidenschaft für den Klub aus seiner Geburtsstadt. Denn wer wissen will, was „Fan sein“ wirklich bedeutet, der landet irgendwann an der Hafenstraße: Nirgends sonst erlebt man die Gefühlsverbindung Verehrung und Verzweiflung so intensiv – „Oh RWE“. I m RWE-Fanblog gibt Hendrik den rot-weissen Anhängern nun eine Stimme.

Sonntag, Oktober 25, 2009

Wunschkonzert

Ich hatte diesen Clip schon vor längerer Zeit einmal eingestellt, aber nun ist es wieder soweit: In Zeiten, in denen es für fast alles ein “App” gibt, nur nicht für den RWE, müssen halt andere Motivationstechniken her. Und somit hat eine gesellige Runde am Wochenende die Körperzellen dazu auserkoren, unser aller Seelenheil, auch abseits des Fußballs, zu stärken. Auf vielfachen Wunsch,Film ab…….

Leidenschaft die Leiden schafft

Bis zur 92. Minute war ich mir ziemlich sicher, dass der RWE dieses Duell zweier alter Rivalen für sich entscheiden kann. Dann der Eckball in der 93. Minute und schon vor dessen Ausführung war mir klar: Der Ball zappelt gleich im Netz, leider. Das spürt man einfach, so kam es auch und in Agonie verfallend, schweifte mein Blick über sich das nun bietende Spektakel: “Die” Haupttribüne, fast schon komplett stehend, sackte in kollektiver Verzweiflung in die Sitzschalen. Der vorher sitzende Rest outete sich nun als Fan der Münsteraner Preußen und wählte den entgegengesetzte Weg. Über 2500 Fans im Gästeblock sowie die Bank der Gäste flippten kollektiv aus; Die RWE Spieler sackten enttäuscht zu Boden oder “bedankten” sich bei den Unparteiischen und auf der Osttribüne wurde einmal mehr der Zaun auf seine Haltbarkeit hin geprüft. Das Endergebnis eines packenden Spieles lautete somit 1:1 Unentschieden. Doch ganz so einfach ist die Abhandlung dieses eminent wichtigen Spieles nun auch wieder nicht, dafür war es eine zu intensive Begegnung. 10.022 Zuschauer sorgten für einen mehr als würdigen Rahmen und füllten die verbliebenen Tribünen fast komplett. Rund um das Stadion zeugten jede Menge Polizei und Reiterstaffeln von dem Risikofaktor dieser Ansetzung. Zu Beginn eine kleine,schicke Choreographie und dann gab es erst einmal zwanzig Minuten von beiden Seiten “kräftig auf die Socken”. Erst im Anschluss beruhigte der RWE ein wenig die Partie und setzte auf spielerische Akzente. Ganz stark aber schon in dieser Phase des Spieles der Einsatz. Fast immer wurden die Preußen gedoppelt, bisweilen befanden sich gar drei Spieler in unmittelbarer Nähe des ballführenden Gegners. Dieser kam in der ersten Halbzeit zweimal gefährlich vor das rot weisse Tor, ließ aber sonst Effizienz und Spielfluss vermissen. Wieder wurde ein Tor des RWE nicht gegeben. Pause, durchatmen, hoffen und anfeuern. Und es wurde eine zweite Halbzeit geboten, wie sie der sorgengeplagte Dauergast an der Hafenstrasse seit Jahren nicht mehr gesehen hatte: Einsatz bis zum Umfallen, den Gegner fest im Griff, und eine Stimmung, die ganz zart wieder in Richtung “Mythos” tendierte. Belohnung war die schnelle Führung durch Sascha Mölders, der zwanzig Minuten später den berühmten Sack mehr als hätte zumachen können: Der Ball aber prallte von der Unterkante der Latte zurück in das Feld und einem anderen, völlig allein vor dem Tor stehenden RWE Spieler, vor die Füße. Über das anschließende Geschick, den Ball in hohem Bogen ÜBER die 17,86 m2 freie Torfläche zu köpfen, möchte ich den Mantel des Schweigens decken. Egal zu diesem Zeitpunkt, es wurde bei anhaltendem Regen weiter gerannt, geackert und gegrätscht. Die Hände waren rot ob der klatschhaftigen Unterstützung und die Stimme versagte auch langsam. Herrlich, Emotionen pur. Dann die erste Einwechslung und für mich der Bruch im Spiel. Patrick Schnier, rein äußerlich an Henry Charles Albert David Mountbatten-Windsor (genannt Prinz Harry) erinnernd, hatte eher mit seiner Standfestigkeit zu kämpfen als dem Spiel zu helfen. Zwei weitere Einwechslungen, die in Zeitlupentempo durchgezogen wurden, brachten noch mal frische Spieler, aber die anderen konnten einfach nicht mehr, zu viel Kraft hatte das Spiel bis dato gekostet. Teilweise schleppte ein Spieler den Ball in Richtung Münsteraner Strafraum, aber es konnte keiner mehr nachrücken. Preußen packte nun britische Tugenden, sprich “kick & rush” aus: Ball nach vorn, hinterher und gucken was geht. Und bis zur besagten 92. Minute ging auch nicht viel, immer stand oder lag ein RWE Bein im Weg. Es drohte alles gut zu werden. Nun sind wir aber in Essen, an der Hafenstrasse und bei RWE. Hier dauert ein Spiel nicht 90 Minuten, sondern meistens länger. Der Versuch, Zeit zu schinden rächte sich nun, denn es wurde auch bis zur 93. Minute noch weitergespielt. Endergebnis bekannt. Da der Fußball nun mal kein Konjunktiv ist, gilt es auch dieses Spiel abzuhaken und den wahnsinnigen Kampfgeist hervorzuheben. Das Spiel zwar nicht gewonnen, aber der RWE hat wieder eine Mannschaft,darauf lässt sich doch aufbauen.Im Anschluss dann ging die mit Spannung erwartete Taktik der dritten Mannschaft an diesem Tag auf: Die Polizei ließ den abwandernden Fans die Möglichkeit, die Hafenstrasse in alle Richtungen zu benutzen und die vielen Preußen Fans trotzdem fix in die Busse und zum Bahnhof zu befördern. Für einige “Fans” in rot und grün, die sich trotzdem vor und hinter der Polizeikette zum netten Gedankenaustausch versammelten, wurde wohl der Begriff “Fremdschämen” erfunden. Was für ein Spiel.

Mittwoch, Oktober 21, 2009

Innereien

Nach doch eher textlastigen Tagen und Wochen heute eine Bilderstrecke: Dank der "Fotoflatrate" von jawattdenn gibt es Einblicke in das Innere einer Tribüne aus den 50ziger Jahren. Immer noch davon ausgehend, dass dieses emotionale Bauwerk bald der Abrissbirne zum Opfer fällt.

Sonntag, Oktober 18, 2009

Stolpern

Es sind diese gewissen Abende, an denen man nicht ins Bett findet. Meistens in Verbindung mit aufwühlenden Ereignissen, Abschnitten oder einem gewissen Maß an Reizüberflutung. Im heutigen Fall schlägt ein Mix aus allem zu Buche. Grundsätzlich habe ich schon mal besser geschlafen, ab Montag bestimmt der Wecker wieder zu einer unchristlichen Zeit den Lebensrhythmus und ich bin mir noch nicht sicher, ob das 0:0 Unentschieden des RWE bei den Jungpharmazeuten aus Leverkusen nun einen gewonnenen oder zwei verlorene Punkte zur Folge hat. Dem Vernehmen nach wurde dem RWE ein Elfmeter vergönnt und ein blitzsauberes Tor aberkannt. Wenn dem so ist, sind es zwei verlorene Punkte. Andererseits bin ich zunächst froh, dass nicht verloren wurde. so können die nächsten beiden Spiele gegen die momentanen Top Teams aus Münster und Lotte als “Underdog” angegangen werden. Da der RWE aber nicht irgendein Verein ist, war er für anderthalb Stunden auch im ZDF zu sehen. Wenn auch nur in Form von Devotionalien, die geschickt im heutigen “Lutter” Krimi platziert wurden. Ein spannender Krimi, in dem Jochen Krol mit der gewohnten Nonchalance ermittelte. Ja und im Zuge dieser Schlaflosigkeit ermittelt man dann Musik, die seinerzeit in Dauerschleife gehört wurde. Auf ein solches Lied bin ich gerade gestoßen: Sophie B. Hawkins ist die Auserwählte, die mich für einen gewissen Zeitraum mit zerrissenen Jeans, unkonventionellen Bewegungsabläufen und Lockenpracht der Aussage ihres Liedes recht nahe brachte.

Freitag, Oktober 16, 2009

Gute Mädchen kommen in den Himmel, Lisbeth überall hin

Der erste Teil der Millennium Trilogie “Verblendung” ist in Deutschland lediglich in kleinerem Rahmen, sprich in ausgewählten Kinos, angelaufen. Eigentlich eine Überraschung in Anbetracht der drei Millionen Leser. 688 Seiten Roman wurden in 153 Minuten Film zusammengefasst und die vergehen wie im so oft zitierten Fluge. Natürlich kann der Film nicht so in die Tiefe gehen, fallen manche Figuren und Affären dem Zeitraster zum Opfer. All das fällt kaum ins Gewicht, überwiegt doch die Faszination, einer Verfilmung beizuwohnen, die das “geistige Auge” beim Lesen 1:1 auf die Leinwand adaptiert hat. Es sind exakt die Gesichter, die Landschaft und die Kälte zu sehen, die der Leser so und nicht anders zu erwarten hatte. Noch mehr als im Buch konzentriert sich das Geschehen auf die beiden Hauptprotagonisten “Mikael Blomkvist” (Michael Nyqvist) und Lisbeth Salander (Noomi Rapace). Und hier wartet der Film auch schon mit seinem grössten Coup auf: Es wurde eine Lisbeth “wie aus dem Buche” gefunden: Noomi Rapace spielt die Lisbeth mit einer zurückhaltenden und doch gleichermaßen alles aussagenden Mimik und entspricht der Optik. In Konfliktsituationen ungemein physisch daherkommend und wahrlich kräftig zupackend, wird gerade während eines Liebesaktes mit “Mikael” all ihre Anspannung und innere Zerrissenheit deutlich. Das, was sich in einem Buch weitaus differenzierter beschreiben lässt,und von Stieg Larsson immer wieder thematisiert wurde, gelingt dem Film in einer eindrucksvollen Sequenz: In Großaufnahme wird hier keine Erotik gezeigt, sondern der Blick auf Lisbeth`s höchst angespannte Muskulatur gelenkt, die sogar das riesige Drachenmotiv auf ihrem Rücken kurz zum Leben erweckt. Das war es dann und mit einem schlichten “Nacht” verlässt Lisbeth einen ratlosen Mikael. Der Film selber ist in eher kühlen, harten Farben gehalten, so dass sich auch die schwarz weiß Fotografien bestens in die Szenerie einfügen. Schauspieler und Bilder ergeben so einen wahrlich stimmigen Film. Die Trilogie zu kennen ist aber von Vorteil, denn nur dann fügen sich die Bilder zusammen.

Mittwoch, Oktober 14, 2009

Kennengelernt

Wenn ein Text ohne Überschrift begonnen wird, dann deshalb, weil die passende noch nicht gefunden wurde. Das ist insofern interessant, weil man ja weiß worüber es eigentlich zu schreiben gilt. Und genau in diesem Dilemma stecke ich gerade. Geht es doch nicht um die sonst üblichen Themen hier, sondern um den Fakt, dass “ISDT” in dieser Woche in sein viertes Jahr geht. Auch das ja nichts Weltbewegendes. Was mich aber wirklich bewegt ist die Gelegenheit, einmal zu reflektieren, was mir diese drei Jahre “Im Schatten der Tribüne” so gebracht haben. Und das, ja das wäre nun wirklich eine Überschrift wert. Anfangs hätte ich nicht gedacht, dass der Plan, etwas zum historischen Tribünenneubau hier in Nordhorn zu veröffentlichen, so schnell von der Herzensangelegenheit RWE überrollt wird. Ich hätte auch aber nicht gedacht, dass mir das Bloggen dabei hilft, den Verlust eines geliebten Freundes und profunden Fußballkenners wenigstens in Ansätzen zu kompensieren. Wenn ich ehrlich bin, ist es bislang bei den Ansätzen geblieben, der Schmerz sitzt tief. Schreiben ist demnach auch Therapie, das Spiel des RWE war es weniger in den letzten Jahren. Doch bin ich lieber in der vierten Liga an der Hafenstrasse, als in Wolfsburg Meister. Das mein lokaler Verein, der SV Eintracht, hier so an Inhalten verloren hat, tut mir sehr leid, aber auch ein Produkt der Vereinsführung. Was nun den “Godfather of Goodness” formerly known as Bono betrifft: Der Lebenstraum von einem Thekenabend bleibt bestehen, in meinem Falle allerdings mit Adam Clayton. U2 war auch in diesem Jahr wieder jeden Cent und jede Emotion wert. Das aber nur zu den Inhalten, viel mehr erfreue ich mich an den Kontakten, die sich seit Beginn von “ISDT” ergeben haben. Natürlich, die allermeisten davon sind und werden immer interaktive Kontakte bleiben. Aber, es wird sich ausgetauscht, ich lerne dazu, sammle Erfahrungen und kann meinerseits auch jemanden informieren, hoffentlich begeistern,erfreuen oder auch kritisch stimmen. So füllt sich dann die “Lesezeichenliste” im Browser oder die Linkliste bei ISDT. Und einmal abgesehen von den Freunden des realen Lebens wie den Inselalben oder dem Soziokulturellen, gibt es ein paar Blogs oder Homepages, die über das alltägliche Lesen hinausgehen und zu denen eine ureigene Beziehung aufgebaut wird.. andora zum Beispiel kann man doch nicht einfach so lesen, diese charismatische Präsenz in Sachen Kunst, Eisern Union und angewandtem Widerstand gegen die ehemalige DDR ist für meine künstlerische Einfältigkeit kaum zu begreifen. Welch Freude daher über die ein oder andere Mail des “meesters” oder gar der Einladung auf ein Spiel an der alten Försterei. Scudetto steht stellvertretend für all das literarische aus Bochum, hat mir schöne Kleinkunstabende, ein Autogramm von Ente Lippens und ein wenig Beistand in der Midlife Crisis beschert. Angedacht ist auch so ein lesenswertes Beispiel für einen ein Blog, der viel mehr zu bieten hat, als “nur” den Fußball. Hier mag ich besonders gerne die Twitter Erlebnisse des Autors Heinzkamke und empfinde es als sympathisch, dass auch andere Männer gerne mal ihre Portemonnaies verlegen. Nicht zu vergessen natürlich jawattdenn: Vielen Dank Euch, dass ich jederzeit auf die Bilder zugreifen darf. Hier freue ich mich auf ein persönliches Treffen vor dem Münster Spiel. Dann gibt es noch den umtriebigen Probek, das textilvergehen und,und,und. Will sagen: Ich habe in diesen drei Jahren viel kennen- aber noch mehr gelernt. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken. Kennengelernt, das ist doch eine passende Überschrift. Alles wird gut.